EOTRH - was, wenn alle Schneidezähne raus müssen? Wie kommt ein Pferd ohne Schneidezähne klar?

Mein eigenes Pferd hat es leider auch getroffen... 

Bild-Nr. 1  -  erkennbare EOTRH

EOTRH erkennen 

(Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) 

EOTRH ist äußerst schmerzhaft für das Pferd, denn die Erkrankung führt unter anderem zu eitrigen Entzündungen am Zahnhalteapparat. An den Zahnwurzeln kommt es zur sogenannten Hyperzementose, wobei verstärkt Zahnzement an Zahnwurzeln und -hälsen abgelagert wird. 
 
 Optisch erkennbar für dich:

  • verstärkte Zahnsteinbildung
  • Wulstige Veränderungen 
  • Rote Entzündungszeichen am Zahnfleisch
  • Fistelbildung am Zahnfleisch  

Mögliche Verhaltensänderung: 

  • verändertes Fressverahlten, z.B. kein oder nur zögelichen Abbeißen einer Möhre mit den Schneidezähnen
  • mäkeliges Fressen
  • plötzlich immer mal Futter aus dem Maul fallen lassen, was vor kurzem noch nicht der Fall war (damit meine ich nicht die Heuröllchen beim alten Pferd)
  • Plötzliche Widersetzlichkeit beim Auftrensen

 

Bei Verdacht auf EOTRH sollte auf jeden Fall zeitnah ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, Pferde zeigen Schmerzen leider oft sehr spät, da sie als Fluchttiere versuchen Krankheiten vor eventuellen Fressfeinden zu verbergen.




Bild-Nr. 2  -  vier Wochen nach der Zahnextraktion

EOTRH ist bislang nicht heilbar. Es kann versucht werden, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Entzündungen einzudämmen, z.B. mit Vitalpilzen und Low-Lewel-Laserbehandlung, bei meinem Pferd schritt die Erkrankung jedoch so rasant voran, dass ich es aufgrund des vermuteten Schmerzgeschehens für nicht vertretbar hielt, mit der Zahnextraktion noch länger zu warten. Zwischen der letzen Zahnbehandlung ohne Auffälligkeiten und dem Bild-Nr.1 lag bei meinem Pferd eine Zeitspanne von knapp einem Jahr. Zu dieser Zeit zeigte mein Pferd noch kein verändertes Fressverhalten, auch die Testmöhre wurde noch mit den Schneidezähnen kräftig abgebissen. 
Die Erkrankung verschlimmerte sich innerhalb eines Jahres nach der Diagnose so rasant, dass ich nach Beratung mit dem Tierarzt alle Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers entfernen ließ. Auch ein Hengstzahn war betroffen. 

Bild-Nr. 3  - Fressen von Mash am Tag nach der Zahnextraktion

Auch wenn die Vorstellung, alle Schneidezähne des Ober- u. Unterkiefers zu entfernen zunächst gruselig erscheint, das Pferd kommt in der Regel ohne die Zähne sehr gut klar. Meinem Pferd wurden bis Mittags alle Schneidezähne plus ein Hengstzahn entfernt, die Zähne waren in einem deutlich schlechteren Zustand, als man von außen sehen konnte. Direkt nach der OP sah Bambi so elend aus, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, wie er die nächsten Tage fressen sollte. Doch noch am gleichen Abend fing er zu meiner Verwunderung an, sich über sein Heu herzumachen. Am nächsten Tag kam er mir gleich putzmunter entgegen, der gesamte Heuberg war aufgefuttert, ich konnte ihn an Maul und Nase anfassen und er machte sich auch gleich über das angebotene grüne Mash her.  

Mein Tipp: Die ersten Tage nach dem Zähneziehen keine Körner füttern, da diese sich in die frischen Wunden schummeln und dort zur Entzündung führen könnten. 
Mein Pferd bekam loses Heu und etwas Grünes Mash.  

Zusätzlich bin ich mit ihm an der Koppel entlangspaziert und habe ihm frisches Gras gerupft und direkt gefüttert

Bild-Nr. 4  -  Grasen nach vier Wochen

Zwei Tage nach dem Zähneziehen versuchte Bambi das erste Gras zu zupfen, was aber noch nicht klappte. Nach fünf Tagen schaffte er schon die ersten Halme. Drei Wochen später waren die Wunden nahezu komplett verheilt und Grasen in mittelhohem Gras gut möglich. Nach vier Wochen hatte er für sich eine komfortable Technik des Grasrupfens entwickelt. Halme ab ca.10 cm länge schaffte er. 

Die Wundheilung wurde von mir mit der Laserdusche und einem Frequenzprogramm speziell für Entzündungen und Wunden begleitet, wobei die erste Behandlung bereits am Tag der OP erfolgte, als das Pferd noch am Schlummern war, insgesamt drei Behandlungen in der ersten Woche.  

Bei der Nachkontrolle eine Woche nach der Zahn-OP war der behandelnde Tierarzt mehr als zufrieden, die Wundheilung war sehr schön vorangegangen.  


Bild-Nr. 2 zeigt die abgeheilten Wunden nach ca. 4 Wochen. 

Ich möchte betroffenen Pferdebesitzern mit meinem Erfahrungsbericht ein wenig die Angst nehmen, wenn Sie die Diagnose EOTRH bekommen und vielleicht schon vor der Entscheidung stehen die Zähne ziehen zu lassen. Natürlich ist jedes Pferd anders, aber Bambi ist ein gute Beispiel, dass ein Pferd auch ohne Schneidezähne ein Leben mit hoher Lebensqualität führen kann.